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Der echte Blick von der virtuellen Terrasse

Wohnungsverkauf 2.0: Dank aufwendiger Drohnenaufnahmen kann das Ingenieurbüro Hamm reale Landschaften im virtuellen Raum zeigen

Man sitzt auf seiner Terrasse und genießt den Blick auf die herrliche Umgebung. Da das Haus des netten Nachbarn, im Hintergrund der kleine Bach am Waldesrand. So in etwa. Eigentlich keine besondere Vorstellung. Vermutlich tausende Deggendorfer erfreuen sich an einem milden Sommerabend an ihrem Terrassenblick.

Nur: Diese spezielle Terrasse existiert gar nicht. Wie auch? Schließlich befindet sich das Mehrparteienhaus, zu dem sie mal gehören soll, erst in der Planungsphase, gibt es die Terrasse erst in der Vorstellung eines Architekten. Und doch sieht man als Kunde bereits fotorealistisch genau, welchen Blick man in Zukunft mit einer Tasse Kaffee in der Hand genießen könnte. Ja wenn man sich für genau diese Wohnung entscheiden würde.


Nun ist man, was die Rasanz der technischen Entwicklungen in unserer Zeit anbelangt, inzwischen kaum mehr zu verblüffen. Was vor ein paar Jahren noch als Science-Fiction galt, ist heute oft schon wieder überholt. Und doch: „Das erzeugt einen großen Wow-Effekt bei unseren Kunden“, sagt Valentin Frank, Geschäftsführer der Deggendorfer Firmen Hamm Ingenieurbüro GmbH und SF Wohnbau GmbH. Und sein Geschäftsführerkollege Jürgen Sterr ergänzt: „In der Region sind wir, was den Einsatz fortgeschrittener Drohnentechnologie für unsere Zwecke angeht, konkurrenzlos.“

Etwas verkaufen, was es real noch gar nicht gibt. Das ist für Valentin Frank das grundsätzliche Problem seiner Branche. In der digitalen Steinzeit zeigte ein Architekt seinen potenziellen Kunden dann einfach seine gezeichneten Pläne. Aber wer kann Pläne schon so lesen, dass in seinem Kopf tatsächlich ein realistisches Bild entsteht, wie eine Wohnung einmal aussehen wird? Eben. „Vielleicht 30 bis 40 Prozent der Wohnungen kann man vom Plan weg verkaufen“, schätzt Frank. Für den Rest braucht es neue Lösungen.
Dreidimensional animierte Räume sind dabei heutzutage keine Sensation mehr, sondern bei vielen Firmen der Standard auf der Jagd nach Kunden. Durch die rasante Entwicklung bei den Virtual-Reality-Brillen wird der Interessent außerdem in die Lage versetzt, sich durch seine zukünftige Wohnung schon jetzt virtuell zu bewegen.

So läuft das auch in Zukunft beim Deggendorfer Hamm Ingenieurbüro. „Unsere Lieferanten lassen zum Beispiel in Zukunft ihre Möbel auch 3-D erfassen, so dass die Wohnungen komplett und sehr detailgenau möbliert sind“, erklärt Jürgen Sterr. Der Interessent bewegt sich frei in dieser virtuellen Wohnung und kann dort sogar mit einem einfachen Klick Veränderungen vornehmen. Soll es doch lieber ein Eichen- statt dem Nussparkett sein? Wirkt das in der Wohnung zu dunkel oder zu hell? „Wir wollen hier Schritt für Schritt hin zu einer fotorealistischen Darstellung“, sagt Jürgen Sterr.

Um dem Ganzen aber noch einen drauf zu setzen, haben sich Valentin Frank und Jürgen Sterr mit Patrick Viertl einen besonderen Partner an Bord geholt. „Ich studiere an der THD Medientechnik und bin seit fünf Jahren begeisterter Drohnenpilot“, erzählt Viertl.
Vor einem Jahr gab es die ersten Gedanken an eine Zusammenarbeit, nachdem Joel Nagel, Mitarbeiter im Ingenieurbüro und ebenfalls THD-Student, den Kontakt hergestellt hatte. Das Ziel der Kooperation: Echte Landschaften im virtuellen Raum neu erleben und Gebäude sehen, die erst im Computer zu existieren beginnen.

Was das konkret bedeutet, kann man an dem ersten gemeinsamen Projekt der Kooperationspartner in Metten studieren. Dort plant das Deggendorfer Büro ganz in der Nähe des Sportplatzes eine Wohnanlage. Also ließ Patrick Viertl dort für über eine Stunde seine Drohne steigen, um die gesamte Nachbarschaft aus der Luft abzufilmen. Im Anschluss wurde die reale Landschaft dann so detailgetreu wie möglich quasi von der Wiese auf den Bildschirm transportiert.

Das Ergebnis ist dabei auch für die Städteplaner hoch interessant. So plastisch wie nie zuvor und aus den verschiedensten Blickwinkel ist es nun möglich, zu beurteilen, ob ein geplantes Projekt tatsächlich in die Umgebung hineinpasst. So soll zeitnah auch das Gelände der Alten Gerberei am Östlichen Stadtgraben von Patrick Viertl mit der Drohne beflogen werden. Hier plant das Hamm Ing. Büro derzeit 36 Wohnungen. Ende des Jahres soll der neue Wohnraum auch virtuell auf der Homepage des Deggendorfer Büros zu besichtigen sein.
So interessant sich das alles anhört, so kostenintensiv, zeitaufwendig und nervenaufreibend ist das Ganze derzeit noch für die Beteiligten. Zu kämpfen haben sie dabei hauptsächlich mit der schier unglaublichen Datenmenge. Über sechs Millionen Bildpunkte spuckte der Computer zum Beispiel nach der Drohnenüberfliegung des Geländes in Metten aus. Ein Computer, der solch ein Datenungetüm überhaupt zähmen kann, kostet dann halt schnell einmal 15 000 Euro. Und dennoch hat sich die Super-Workstation, auf der Patrick Viertl an dem Projekt gearbeitet hat, nach fünf Tagen einfach selbst ausgeschaltet. Game Over. „Unsere Software und unsere Rechner sind für diese Datenmengen einfach noch nicht ausgelegt“, sagt Viertl. „Da muss ich viel tüfteln.“

Doch dass sich der Aufwand letztendlich lohnen wird, da sind sich die Deggendorfer einig. „Irgendwann wird sich das amortisieren“, ist Jürgen Sterr überzeugt. Der Kunde jedenfalls darf sich freuen: Er kann schon im Planungsstadium erleben, wie in seiner zukünftigen Wohnung das Licht um 12 Uhr mittags fällt – der Sonnenstand kann über den ganzen Tag realistisch simuliert werden –, wie die Aussicht aus dem Badfenster sein wird oder ob sich der Blick von der Terrasse auch wirklich lohnt…
Von Dominik Schweighofer

Derzeitig arbeitet die HAMM Ingenieurbüro GmbH auch mit Jonas Viertl von ImageGestalter zusammen, er berät derzeit die Firma in Sachen Webdesign und der aktuellen Website und wartet diese auch für die beiden Unternehmen. Auch wird in Zukunft die Abbildung der dreidimensionalen Gebäude und Umgebungen durch eine HTML 5 Verknüpfung auf den Websites der Unternehmen, welche ebenfalls durch die Firma ImageGestalter realisiert werden soll.
An dieser Stelle möchten wir uns bei Dominik Schweighofer für diese Artikel bedanken, dessen Quelle die Passauer Neuen Presse ist.

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